„Just ask Larry Davis:
How much they took? Cops and crooks, but who’s the crook?“
—Jeru the Damaja

Am 19. November 1986 wurden sechs Polizeibeamte angeschossen und vier dabei schwer verletzt, als sie den Versuch unternahmen, einen Mordverdächtigen in einem Apartment in Morrisania , einem Viertel in der South Bronx, festzunehmen. In der Geschichte von New York City war es die größte Zahl von Polizeibeamten, die bei einer Schießerei verletzt wurden …
Larry Davis wurde gesucht im Zusammenhang mit dem Mord an vier jungen Männern, die man in Longwood, einem Viertel der Bronx, am 30. Oktober aufgefunden hatte.
Davis gab an, dass ihm die NYPD nach seiner Entscheidung zum Ausstieg aus Drogengeschäften auf den Fersen war, an denen die Polizei beteiligt war. Davis gelang es, sich einer Verhaftung trotz der eingeleiteten Großfahndung zu entziehen. Nachdem die Suche auf ein einzelnes Gebäude eingegrenzt werden konnte, nahm er drei Geiseln und gab dann aber auf, da er aufgrund der Präsenz der Reporter sicher war, nicht verletzt zu werden. Davis erhielt Hilfe und Unterkunft von den Bewohnern der Bronx und erlangte dort den Ruf eines Volkshelden …
Larry Davis (der seinen Namen ’89 in Adam Abdul Hakeem änderte) wurde am 20. Februar 2008 gegen etwa 20:30 Uhr Ortszeit in der Haftanstalt Shawangunk, 130 Kilometer nördlich von New York City, nach Angaben eines Sprechers der New Yorker Gefängnisbehörde tödlich verwundet.
Auf Davis , 41, war wiederholt mit einer selbstgebauten Metallklinge in Arme, Kopf, Rücken, Oberschenkel und Brust eingestochen worden. Ein anderer Insasse werde wegen des Mordes verhört, erklärte Sprecher Erik Kriss.
Die Schießerei vom November 1986 endete mit der Flucht von Davis und einer stadtweiten Großfahndung, die die Aufmerksamkeit des gesamten Landes auf sich zog, als sie auf mindestens fünf weitere Städte ausgedehnt wurde. Auch richtete sich die Aufmerksamkeit auf das überlastete Justizsystem. Es stellte sich heraus, dass Davis zehn Monate zuvor aus der Haft entlassen worden war und man einen Gerichtstermin wegen mutmaßlicher Verletzungen der Bewährungsauflagen vier Mal verschoben hatte. Von offizieller Seite räumte man ein, dass das Bewährungssystem „überlastet“ sei und dass in den Haftanstalten besorgniserregende Zustände herrschten. Selbst bei der Rückverfolgung der Anrufe von Davis über angezapfte Telefone tat sich die Polizei schwer.
Eingekesselt in einem Wohnprojekt in der Bronx ergab sich Davis am Morgen des 6. Dezembers 1986, nachdem er dort die Nacht über eine Frau mit ihren beiden kleinen Kindern als Geißeln genommen hatte. Er wurde angeklagt wegen des Mordes an den vier jungen Männern, von denen die Polizei sagte, es seien Drogendealer gewesen. Selbst im Gefängnis sorgte Davis auch weiterhin für Schlagzeilen, als er seine Zelle während eines vereitelten Fluchtversuchs demolierte.
Vielen Beobachtern erschien Davis als Verkörperung einer Hinwendung zur Gesetzlosigkeit, die sich in New York breit gemacht hatte. Für andere wiederum, insbesondere für einige Bewohner der Viertel in der Bronx und anderer Bezirke mit vorwiegend schwarzer Bevölkerung, wurde er zu so etwas wie einem Volkshelden.
Die Verteidiger von Davis setzten wenig Vertrauen in die Polizei, die der Korruption beschuldigt und mit Vorwürfen wegen Unfähigkeit überzogen wurde. Als sich der Fall seinen Weg durch die Justiz bahnte, behaupteten die Verteidiger von Davis — angeführt von William M. Kunstler und Lynne F. Stewart — , er habe in Notwehr auf die sechs Polizeibeamten geschossen und die Polizei hätte versucht, Davis zu ermorden, um ihn an einer Zeugenaussage über die Beteiligung von Polizeibeamten an Drogenverkäufen zu hindern.
Am 23. Juli 1987 stach Davis auf einen Vollzugsbeamten im Gefängnis auf Rikers Island ein, aber auch dies tat seiner Beliebtheit in einigen Kreisen keinen Abbruch. Als man ihn am 10. September in den State Supreme Court in der Bronx führte, brachen mehr als ein Dutzend Schaulustige in tosendem Applaus aus, bevor Justizbeamte wieder für Ruhe und Ordnung sorgten. Als der Termin für das Verfahren immer näher rückte, gerieten die Handlungen der Polizei bei Ermittlungen im Drogenmilieu genauso stark ins Zentrum des öffentlichen Interesses wie die Taten von Davis selbst. Das Verfahren wurde schließlich im Dezember eröffnet.
Davis ‘ Odyssee durch das Justizsystem endete mit zwei bedeutenden Siegen.
Am 3. März 1988 wurde Davis von allen Anklagen wegen Mordes an den vier mutmaßlichen Drogendealern vor 16 Monaten freigesprochen, nachdem sich die Verteidigung beinahe ausschließlich auf die Behauptung gestützt hatte, er sei hereingelegt worden. Auch die Anklage wegen versuchtem Mordes an neun Polizeibeamten endete für ihn am 20. November vor einer Jury aus der Bronx in einem Freispruch.
Ebenso sprach die Jury Davis frei von schwerer Körperverletzung in sechs Fällen bei der Verwundung von sechs Polizeibeamten, bei denen einer der Beamten von einer der Kugeln in Mund und Hals getroffen wurde und hierauf frühzeitig in Ruhestand gehen musste. Verurteilt wurde er von den Geschworenen jedoch wegen illegalem Waffenbesitzes in sechs Fällen. Auf Grundlage der Anklage wegen Waffenbesitzes wurde Davis zu 5 bis 15 Jahren Haft verurteilt.
Die Geschichte von Davis und der Justiz war aber noch längst nicht zu Ende. Am 2. Dezember 1989 wurde er von der Anklage freigesprochen, 1986 einen Drogendealer aus Harlem erschossen zu haben.
Nachdem die Anklage wegen Mordes an fünf Drogendealern am 14. März 1991 mit einem Freispruch endete, befanden die Geschworenen Davis für schuldig, am Aug. 5, 1986 eine Kugel durch die geschlossene Tür einer Crackhütte in der Bronx gefeuert und mit dieser den Drogendealer Raymond Vizcaino getötet zu haben. Davis wurde verurteilt zu 25 Jahren bis lebenslanger Haft.
Selbst aus der Haftanstalt legte Davis in einem letztendlich erfolglosen Versuch, die Freiheit zurückzuerlangen, weiter Berufung ein.
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